Zur Ausstellung In den Falten des Vorhangs
District Berlin Mai 2011
curated by Ulrike Gerhardt
IN DEN FALTEN DES VORHANGS
mit
Katrin Connan
Katharina von Dolffs
Gerrit Frohne-Brinkmann
Daiga Grantina
Annika Kahrs
Burk Koller
„Wenn ich im Dunkeln nachts erwachte, war die Welt nichts mehr als eine einzige stumme Frage. Mag sein, dass diese Frage, ohne daß ich es damals ahnte, in den Falten des Plüschvorhangs saß, welcher vor meiner Tür, um die Geräusche abzuhalten, hing.“ Walter Benjamin: Der Mond. 1933-1938
Dieser Auszug aus Walter Benjamins Traumaufzeichnungen ist interessant, da hier ein Moment beschrieben wird, in dem sich der halbverschlafene Blick eines Menschen im Faltenwurf eines Vorhangs festschreibt. In den Falten des vertrauten Interieurs wird die Antwort auf eine Frage gesucht, die universaler nicht sein könnte: „Warum denn etwas auf der Welt, warum die Welt sei?“. Wassily Kandinsky erwähnt in seinem Prosagedicht „Der Blick“ aus dem Jahre 1912 ebenfalls einen Vorhang. Hinter diesem verbirgt sich ein unerkenntliches Konterfei, dessen Herkunft und Absichten geheim bleiben. Beide Anekdoten machen deutlich, dass der Vorhang als kulturelles Symbol die Trennung des Sichtbaren vom Unsichtbaren markiert und seine Gegenwart unsere illusionäre Vorstellungskraft beflügelt. Insbesondere der Wurf des Stoffes, seine Nischen und Knäuel werden abgewandert und zu Zielgeraden schweifender Gedanken, sei es, wenn der Mond wache Träume schürt oder die Theaterbesucherin den Auftakt der Inszenierung erwartet. In der Ausstellung „In den Falten des Vorhangs“ begeben sich sechs Künstlerinnen und Künstler auf Spurensuche nach dem rätselhaften Wesen der Abstraktion und den Phantasmen postmoderner Subjekte.
(...)
Katrin Connan konzentriert sich auf das Moment der lustvollen Verwandlung von
Oberflächen und Objekten. In „Die Leichtfertigen“ (2011) erzählen die mit
leuchtenden Deko-Steinchen versehenen Schuhe von einer durchtanzten Nacht, in
der kein Morgen zählt. „René-Claude Claude-René“ (2010) deutet einen Faltenrock
aus Herrenschlipsen an, der an der Wand hängt wie ein für jedes Geschlecht
tragbares Fashion-Item. Dem Vorhang „Everybody tells the truth“ (2011) liegt eine
Auseinandersetzung mit Inszenierung, Styling und Schmuck zugrunde. Der povere
Latexstoff, die eingenähten Billigperlen und das wenig glamouröse Format des
Vorhangs verhindern nicht, dass er von weitem verlockend glänzt und schimmert. In
„Kill dead corners“ (2011) versucht Katrin Connan vergeblich alle Ecken im Raum
durch den Wind einzufangen, da sich die Falten des Raumes in der drehbaren
Silberpappe spiegeln (...)
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Wandzeitung_Interview mit Ulrike Freitag Juli 2010
http://ausreisser.mur.at/ausgaben/35-juli-august-10/art_ist-s-2013-die-v...
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Du und ich im Dickicht ist der Stand der Dinge eines Bildwechsels zwischen
Renata Palekcic Pasel und Katrin Connan, das Dokument eines Zeitpunktes,
an dem das geteilte Atelier nach einem verabredeten Prozess über ein halbes
Jahr zugewuchert ist. Es sind provisorische, fragile Einrichtungen aus
Zeichnungen, Malereien, skulpturalen Fragmenten und Materialresten, die im
Raum des Westwerks, neue, temporäre Installationen bilden, indem sie sich
in seine spezielle Architektur einnisten. Bilder werden durch die neue
Konfiguration von ihren Rahmen gelöst, bekommen einen anderen Bezug,
verbinden sich zusammenhängend zu Raumbild und Bühne. (Westwerk)
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Opernhaus Graz
Alban Berg: Lulu
Kleine Zeitung, 1.5. 2010
„Wechsel von Zeiten und Perspektiven“
(...)
Die Grazer Oper hingegen greift jetzt auf den zweiaktigen Torso zurück, spielt ihn aber nicht in der bis 1979 üblichen Form. Sie streicht die Variationen aus der von Berg vollendeten "Lulu"-Suite, bringt aus dieser nur das finale Adagio, schiebt aber als Beginn und nach dem zweiten Akt Szenen ein, in denen Lulu auf einer Schaukel zum kratzend von der Schallplatte tönenden Violinkonzert Bergs träumt. Während der "Lulu" komponiert, handelt es ebenfalls von Liebe und Tod, ist also eine legitime Ergänzung. Sie ermöglicht es dem Regisseur Johannes Erath, Perspektiven und Zeiten zu wechseln, Lulu mit Doubles auftreten zu lassen und Tote wieder zum Leben zu erwecken. Im kargen Bühnenbild von Katrin Connan bleibt Lulus Bild als Pierrot eine Schimäre: Zu sehen ist nur der leere Rahmen - deutlicher Hinweis darauf, dass Lulu nur identitätslos die Erwartungen reflektiert, die von den Männern, die sie mit unterschiedlichen Namen bedenken, an sie herangetragen werden. (...) Ernst Naredi-Rainer
Zur Premiere
Lulu – Perfekte Darstellung einer Zerrissenen
"Wenn sich die Menschen um meinetwillen umgebracht haben, so setzt das meinen Wert nicht herab“, sagt Lulu eiskalt.
Warum kämpft sie aber um Dr. Schön – nur aus Berechnung? Erwidert sie die Liebe Alwas?
Eine zerrissene Lulu, hinter deren Eiseskälte aber doch immer wieder die Zerbrechlichkeit einer einsamen Frau sichtbar wird, zeichnet Margareta Klobučar, stimmlich und darstellerisch ungemein beklemmend
und intensiv, sicher in den Spitzentönen und brillant in der Phrasierung der Reihen von Alban Bergs Klangrede.
Hervorragend waren auch die Partien ihrer „Opfer“ besetzt: u.a. Herbert Lippert als Alwa, Ashley Holland als Dr. Schön, Wilfried Zelinka als Tierbändiger und Taylan Memioglu als Maler.
Johannes Fritsch am Pult verwandelte Bergs strenge Reihen in ein hochemotionales Klanggewebe – eiskalte Schärfe, verwoben mit tiefer Melancholie.
Das stark reduzierte Bühnenbild von Katrin Connan unterstützt den Blick in das Innere der Personen und gibt so der zwingenden Personenführung von Regisseur Johannes Erath den nötigen Raum: In einer Gesellschaft, in der Egoismen und Brutalität Gefühle beinahe restlos verdrängt haben, wird Lulu zusammen mit „ihren“ Männern ein Opfer ihrer selbst.
Man verlässt berührt die Grazer Oper
– eine Musteraufführung.
(Steiermark Report 05-10)
Die doppelte Lulu.
Wedekinds Lulu, die Geschichte der Kindfrau, die mit triebhafter Sinnlichkeit die Männer in den Abgrund reißt, könnte in Zeiten der Gendertheorie ein wenig verstaubt wirken. Aber keine Spur von Staub findet sich in der Premiere von Alban Bergs Oper unter der Regie von Johannes Erath.(...) Das düster-glühende, auf Zeichen reduzierte Bühnenbild (Katrin Connan) wird von einem Tür- bzw. Spiegelrahmen und einer hohen Allzweckmauer dominiert. Eine im Spiegel verdoppelte Lulu wird zur tödlichen Projektion der Männer, während die „richtige“ Lulu ihr Geheimnis bewahrt. (Korso)
Starke Eindrücke
(Graz, 12.5.2010). Bereits bei seinem Regiedebüt in Graz – im Herbst soll Don Giovanni folgen – überzeugte der auch die Musikerlaufbahn durchlaufen habende Johannes Erath vollkommen. Er inszeniert im sehr sparsamen und doch wandlungsfähigen Bühnenbild von Katrin Connan Alban Bergs Lulu weniger als Drama des fin de siècle, sondern konzentriert sich auf die psychologischen Beziehungen der handelnden Personen, die er präzise herausarbeitet, angereichert mit eigenen Zutaten, wie z. B. dem Wiederauftreten so mancher bereits Gestorbener oder der Einführung von Lulus Doubles. (...)
Wolfgang Würdinger (Gundl.at)
DER STANDARD, Printausgabe, 3. 5. 2010
Opernhafte Urängste
Der Grazer Oper gelang mit einer musikalisch hochstehenden und szenisch schlichten, jedoch durchaus aussagekräftigen "Lulu" in der Regie von Johannes Erath ein Erfolg auf ganzer Linie.
(…) Durchwegs formidable Sänger: der markige Ashley Holland (Dr. Schön), der höhensichere Taylan Memioglu (Maler), der sanfte, sonore Konstantin Sfiris (Schigolch), die intensive Iris Vermillion (Geschwitz) und der überragende, enormen Leidensdruck ausstrahlende Herbert Lippert (Alwa).
Sie alle kreisen um die Hauptfigur, ebenso wie sich die Bühne (Katrin Connan) mit einer kahlen Betonwand ständig dreht und ansonsten nur wenige Andeutungen gibt. Auch szenisch ist etwa das Bild, das der Maler von Lulu malt, ein Leitmotiv (wie es auch schon musikalisch durch die allgegenwärtigen "Bildakkorde" vorgegeben ist). Die gemalte Lulu entsteigt dem Rahmen und geistert ebenso über die Bühne wie die Figuren der Handlung, die durch ihre schemenhafte Überzeichnung als Projektionen deutbar werden. Und durch ihre szenische und musikalische Präsenz gerät Lulu, die Inkarnation männlicher Fantasien, zum lebendigsten, lebensnahesten Charakter. Sowohl für Klobučar als auch für das Ensemble ein Triumph. (Daniel Ender)
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Von Dritten Räumen, Kunsthaus Hamburg
15. März 2010
"Ihre gefaltete Papierkonstruktion greift in den Raum ein und schafft gleichzeitig einen abgeschlossenen Innenraum. Trotz ihrer Fragilität gelingt es der Installation eine räumliche Setzung vorzunehmen und Raum abzugrenzen. " (Anna-Lena Wenzel)
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Der Standard 4.12.2009 (zu What Next, Neue Oper Wien)"In Elliott Carters Kammeroper What next? finden sich sechs Personen nach einem Autounfall ratlos in einer schräg postierten weißen Box, die passenderweise keinen sicheren Halt bietet (Ausstatterin: Katrin Connan). Hat man überlebt? Wie sind die Beziehungen zueinander? Das enigmatische Geschehen hat Erath dicht inszeniert, er profitiert auch davon, ein sehr gutes Ensemble zur Verfügung zu haben."
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Kunstmarkt.com 23.02.2008 (zur Diplomausstellung, HFBK, Hamburg)
"Ein Vorhang taucht auch in der Arbeit „Hors d’œuvre du dancing“ von Katrin Connan auf. Sie teilt einen Raum durch einen halb transparenten, halb spiegelnden Vorhang aus elastischem Plastikmaterial. Er hängt wie eine Säulenreihe von der Decke bis zum Boden. Der Herstellungsprozess war kompliziert und mühsam, das metallisch glänzende, empfindliche Material durfte nämlich nicht knittern. Connan, die freie Kunst und Bühnenbild studiert hat, gelingt es, aus einem fast schwerelosen Material eine immense skulpturale Präsenz herauszuholen."
(Nicole Büsing & Heiko Klaas)
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BTR Heft 6/07 (zur Ausstellung Teatrum Mundi, Kokerei Zollverein, Essen)
"Eine Textperformance „Das Zuwenig An Zuviel“ von Nadine Droste und Katrin Connan widmete sich der Figur Johanna von Orléans. Zur Vernissage traten die Performerinnen unter dem Namen Helga Sandra-Barbara live auf, an den folgenden Ausstellungstagen konnten die Besucher den Text über Lautsprecher auf einer Tribüne im dritten Stock hören. Das waren Texte zwischen Dekonstruktion und gegenwärtiger Wiederbelebung der heiligen Johanna. Darin eingeschoben waren wiederum dialogisch umgangsprachliche Textpassagen, in denen die Performerinnen über Johanna reflektierten. Diese mehrschichtigkeit der Ebenen von mittelalterlichem Sujet, Transformation desselben in die Gegenwart und mal humorvoller mal sehr kritischer Reflektionen war grundsätzlich allen gezeigten Arbeiten zu Eigen. "
(Antje Grajetzki)
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MZ 1.09.2007 (zur Ausstellung Plädoyer für das Riskieren, Raum 33, Basel, 3 Installationen)
"Pendel: Sophie Krayer und Katrin Connans Kugel schwingt leise über dem Boden und zerteilt friedlich die Zeit.
Konzipiert und gebaut haben die Installationen bildende Künstler: Sophie Krayer und Katrin Connan. Enstanden sind Räume, die an Zeit und Zerstörung denken lassen, an Vergänglichkeit, Gefahr und Voyeurismus. Gefährdungszonen und interaktive Volumen sollten ausgelotet werden. "
(Verena Stössinger)